El taller del coleccionista
Josep Piqué Iserte zugeschrieben — Säulenterrasse — Aquarell auf Karton, ca. 1940–1955
Josep Piqué Iserte zugeschrieben — Säulenterrasse — Aquarell auf Karton, ca. 1940–1955
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Eine Terrasse mediterraner Architektur öffnet sich zum Landschaftsbild durch eine Abfolge von Bögen, Pfeilern und Geländern. Die Szene ist vollkommen menschenleer, bewahrt jedoch das Gefühl eines bewohnten Raumes: Eine Tür steht offen, eine Überdachung wirft einen Schatten auf den Vordergrund und im Hintergrund erscheinen Fragmente von Häusern und Vegetation.
Die Komposition ist aus einer ausgeprägt architektonischen Sichtweise heraus konstruiert. Der Künstler nutzt die Terrasse nicht als einfachen Rahmen für die Landschaft, sondern erhebt deren Struktur zum eigentlichen Motiv des Werkes. Die Bögen organisieren die Tiefe, die Pfeiler unterteilen den Blick nach außen und die Geländer führen eine Abfolge vertikaler Linien ein, die einen Kontrast zu den Diagonalen der Überdachung und der Kurve des Bodenbelags bilden.
Das Aquarell ist mit einer zurückhaltenden Palette aus Erdtönen, gedämpften Grüntönen, bläulichen Grautönen und Rosatönen angelegt. Die hellsten Bereiche sind kaum mit Pigment bedeckt, sodass der helle Ton des Kartons als Lichtquelle fungiert. Demgegenüber weisen der Boden und der linke untere Bereich eine stärkere chromatische Sättigung auf, was die Komposition ausbalanciert und ihr Tiefe verleiht.
Die Behandlung der Wände ist besonders interessant. Die Lavierungen sind transparent und erlauben es, Unregelmäßigkeiten, Tonwertänderungen und kleine Oberflächenveränderungen anzudeuten, ohne sie minuziös zu beschreiben. Die Architektur bleibt auf diese Weise zwischen direkter Beobachtung und geometrischer Vereinfachung in der Schwebe.
Am linken Rand führt die offene Tür eine der dunkelsten Zonen des Werkes ein und dient als Kontrapunkt zur Helligkeit der Bögen. Auf der Mauer erscheint ein vegetatives oder dekoratives Element in Ockertönen, das die farbliche Nüchternheit des Ganzen durchbricht.
Die Perspektive ist nicht durch eine starr akademische Konstruktion angelegt. Einige Linien weichen leicht ab und bestimmte Elemente sind vereinfacht, was den unmittelbaren Charakter des Aquarells und den Eindruck verstärkt, es sei direkt vor dem Motiv entstanden.
Das Werk ist im linken unteren Winkel mit „Piqué“ signiert.
Technisches Datenblatt
Autor: zugeschrieben an Josep Piqué Iserte (Montbrió del Camp, 1913–2012)
Titel: Bogenarkadenterrasse
Zeitraum: c. 1940–1955
Technik: Aquarell auf Karton
Maße: 16 × 24 cm
Signatur: signiert „Piqué“ im linken unteren Winkel
Thema: Architektur, Terrasse und Landschaft
Erhaltungszustand: guter Allgemeinzustand entsprechend dem Alter, mit kleinen, für den Bildträger und die Technik typischen Altersspuren
Rahmen: nicht enthalten
Zur Zuschreibung
Das Werk wird Josep Piqué Iserte zugeschrieben, einem katalanischen Architekten, Maler und Aquarellisten, dessen Schaffen durch eine enge Verbindung zwischen architektonischer Beobachtung und Landschaft geprägt war.
Die Zuschreibung stützt sich auf mehrere übereinstimmende Elemente: die Signatur „Piqué“, die Verwendung des Aquarells, die architektonische Thematik, die stilistische Herkunft sowie die wahrscheinliche Chronologie des Werkes.
Piqué erhielt während seines Architekturstudiums in Barcelona eine spezifische Ausbildung in Zeichnen und Aquarellmalerei und praktizierte diese Technik bereits in frühen Phasen seines Werdegangs. Es sind Landschaftsaquarelle bekannt, die bereits in den 1940er Jahren entstanden sind, bevor seine Formensprache sich in den folgenden Jahrzehnten in Richtung geometrischerer Lösungen entwickelte, die den historischen Avantgarden nahestanden.
Der Status als Architekt ist bei diesem Stück besonders aussagekräftig. Die Terrasse ist nicht als bloße dekorative Kulisse konzipiert: Bögen, Pfeiler, Überdachung, Treppen und Geländer bestimmen die visuelle Struktur vollständig. Diese Art, die gebaute Landschaft zu verstehen, ist mit dem bekannten Werk Piqués vollkommen vereinbar.
Da jedoch derzeit keine Provenienzunterlagen oder eine direkte Bestätigung seitens des Archivs oder der Stiftung des Künstlers vorliegen, lautet die strengste Katalogisierung weiterhin „zugeschrieben an Josep Piqué Iserte“.
Josep Piqué Iserte
Josep Piqué Iserte entwickelte einen einzigartigen Werdegang, in dem Architektur und bildende Kunst eng miteinander verknüpft waren.
Als ausgebildeter Architekt in Barcelona verfolgte er von Jugend an eine intensive künstlerische Tätigkeit, wobei er sich mit Zeichnung, Aquarell, Malerei und später auch anderen, experimentelleren Ausdrucksformen befasste.
Stadtlandschaften und Architektur tauchen wiederholt in seinem Schaffen auf. Straßen, Gebäude, Bahnhöfe, Innenräume und gebaute Räume wurden nicht nur als Dokumentation der Umgebung behandelt, sondern als Strukturen, die imstande waren, die Komposition zu ordnen.
Während der 1940er und 1950er Jahre bewahrt sein Werk noch eine starke beobachtende Komponente. Später, insbesondere ab Ende der fünfziger und während der sechziger Jahre, wird seine Sprache zunehmend synthetischer und geometrischer.
Dieses Aquarell scheint genau dieser frühen Phase zu entsprechen, als die direkte Darstellung des Ortes noch eine grundlegende Rolle spielte.
Anmerkung der Werkstatt
Die Architektur ist die eigentliche Protagonistin dieses kleinen Aquarells.
Die Terrasse wirkt leer, doch jedes Element deutet auf menschliche Präsenz hin: eine offene Tür, eine Treppe, ein Geländer, ein Dach als Sonnenschutz. Hinter den Bögen reduziert sich die Landschaft auf einige wenige Farbflecken.
Piqués Blick verwandelt einen alltäglichen Raum in eine Komposition aus Licht, Geometrie und Stille.
Die Zuschreibung an Josep Piqué Iserte ist aufgrund der Kombination aus Signatur, Technik und architektonischer Thematik besonders stimmig, wird jedoch bis zur Vorlage endgültiger Dokumentation mit der gebotenen Vorsicht beibehalten.
